Ihr Objektiv bestimmt die Bildwirkung

Ihr Objektiv bestimmt die Bildwirkung

Objektive sind nicht nur einfach Lichtsammler vor der Kamera. Haben Sie Mut, auch einmal ungewöhnliche Fotopositionen mit Ihren Objektiven auszuprobieren. Achten Sie dabei darauf, die Schärfe richtig zu legen.

Die Bildwirkung hängt sowohl von der Wahl des Objektivs, als auch von der Position ab, aus der Sie ein Bild machen. Natürlich lässt sich nicht alles mit jedem Objektiv machen, so ist es zum Beispiel nicht möglich, mit einem 500mm Objektiv eine Blüte aus sehr kurzer Entfernung in Untersicht aufzunehmen. Kurzbrennweitige Objektive, also Weitwinkelobjektive, verlangen nach einem geringen Abstand, wenn Sie ein Motiv formatfüllend aufnehmen wollen, sie haben einen großen Bildwinkel. Nehmen Sie eine längere Brennweite (etwa ein 200mm Objektiv), so müssen Sie schon beträchtlich weiter vom Motiv entfernt sein, um es formatfüllend aufzunehmen, denn diese Objektive haben einen kleinen Bildwinkel.

Der Bildwinkel

Der Bildwinkel bezeichnet einfach nur, wie viel Grad der Aufnahmewinkel (bei Zoomobjektiven für die untere und obere Brennweitengrenze) eines Objektivs maximal beträgt. Deswegen nimmt ein Weitwinkelobjektiv mit einem großen Bildwinkel um die 100° des vor der Linse befindlichen Motivs auf. Es bildet also einen weiten Bereich bildlich ab. Im Gegensatz dazu beträgt der Bildwinkel bei einem 600mm Objektiv wie beim Blick durch ein Fernglas nur 4°. Es bildet also nur einen sehr kleinen Ausschnitt des Motivs ab.

Der Cropfaktor

In Zusammenhang mit dem Bildwinkel lassen Sie mich auf den Begriff des Cropfaktors eingehen, der manch einem unter dem nicht ganz korrekten Ausdruck Verlängerungsfaktor bekannt ist. Ganz korrekt sollte der Cropfaktor übrigens mit Brennweitenfaktor übersetzt werden.

Durch die Digitalfotografie hat sich die Größe des aufgenommenen Bildes (durch verschieden große Bildsensoren) bei sehr vielen Kameras verändert. Zu analogen Zeiten war ein Format am weitesten verbreitet, das sogenannte Kleinbildformat. Dieses ist 24 mm in der Höhe und 36 mm in ww Breite groß. In der digitalen Fotografie wird es als Vollformat bezeichnet. Die Sensoren digitaler Kameras aber weichen in ihrem Format sehr stark von diesem Kleinbildformat ab, und das hat Auswirkungen auf den Bildwinkel.

So hat zum Beispiel die Canon EOS 650D eine Sensorgröße von 14,8 x 22,2 mm (das sogenannte APS-C- oder DX-Format), er ist also deutlich kleiner als das Kleinbildformat von 24 x 36 mm.

Dadurch ergibt sich ein Brennweitenfaktor von 1,6. Dieser lässt sich durch eine einfache Division berechnen. Nämlich 24 dividiert durch 14,8 (alternativ auch 36 dividiert durch 22,2) mit dem Ergebnis 1,6.

Der so ermittelte Brennweitenfaktor dient dazu, die auf dem Objektiv stehende Brennweite umzurechnen, damit der Fotograf weiß, welchen Bildwinkel er mit dem in der Kamera eingebauten Sensor tatsächlich erreichen kann. Zum besseren Verständnis zwei Beispiele anhand des Cropfaktors von 1,6 der Canon EOS 650D: Ein Objektiv mit der Brennweite von 500 mm erzeugt den Bildwinkel eines 800mm Objektivs auf dem Sensor, weil 500 mm x 1,6 = 800 mm. Ein Zoomobjektiv mit dem Brennweitenbereich von 14-24mm erhält durch den Cropfaktor denselben Bildwinkelbereich wie ein Objektiv mit dem Brennweitenbereich von 14 x 1,6 =22,4 bis 24 x 1,6=38,4mm.

APS-C versus Vollformat

An den oben genannten Beispielen des 500mm Objektivs und des Weitwinkelzooms können Sie sehen, worin die Vor und der Nachteile des Brennweitenfaktors liegen. Im Telebereich - also zum Beispiel beim Fotografieren von scheuen Tieren - können Sie sich bei einer Brennweite von 800 mm deutlich weiter entfernt vom Motiv aufhalten, als bei 500 mm Brennweite.Im Weitwinkelbereich aber geht Ihnen einiges an Bildwinkel verloren, so dass Sie sich bei Weitwinkelaufnahmen von der Szenerie entfernen müssten, um den gleichen Bildwinkel wie beim Vollformat zu erhalten. Dies hat zur Folge, dass manch ein Bild nicht gemacht werden kann, etwa weil Sie wegen eines Baumes oder Strauches im Weg nicht weit genug zurücktreten können.

Sensoren in DX/APSC Größe sind deutlich kostengünstiger als Vollformatsensoren und ermöglichen wegen ihrer geringeren Größe leichtere und kompaktere Kameras. Doch leider haben die kleineren Sensoren auch den Nachteil, dass sie nicht so hochauflösend sind wie ein Vollformatsensor. Ein Bildsensor besteht nämlich aus vielen Millionen lichtempfindlicher Fotodioden. Diese wandeln eintreffendes Licht in ein elektrisches Signal um. Nehmen Sie an, dass eine Spiegelreflexkamera im APSC-Format 12MP und eine andere Kamera im Vollformat 12 MP haben. Beide Sensoren weisen also die gleiche Anzahl an Fotodioden auf. Doch beim APSC-Sensor sind diese wegen der kleineren Sensorfläche sehr dicht zusammengepackt, oder sie sind verkleinert, um die 12 MP auf der Sensorfläche unterzubekommen.

Das hat zur Folge, dass im Bild einerseits weniger Details aufgelöst werden können und andererseits, dass das Bildrauschen bei höheren ISO-Werten schneller auffällt, da die Fotodioden sich gegenseitig stören, weil sie so nahe beieinanderliegen oder weil sie durch ihre geringere Größe weniger Licht aufnehmen als beim Vollformat.

Um diesen Konflikt zu beheben, erhöhen die Hersteller die Empfindlichkeit der Bildsensoren.

Das führt zu noch mehr störendem Bildrauschen, was besonders bei schummrigem Licht deutlich sichtbar wird. Deswegen wird ein elektronischer Rauschfilter eingesetzt, der das Rauschen dämpfen soll. Zu starkes Entrauschen entfernt aber auch wichtige Details, etwa feine Strukturen im Haar eines fotografierten Tieres. Es gilt daher, bei einem Rauschfilter die richtige Balance zwischen dem Entfernen von Störpixeln und dem Erhalten von Details zu finden.

Vollformat-Sensoren sind weitaus weniger vom Rauschen betroffen, weswegen Vollformat DSLRs bis zu ISO 204 800 einsetzbar sind, APSC-Kameras dagegen nicht. Leider sind aber die großen Sensoren deutlich teurer. Daher haben die Hersteller sowohl DX/APSC-Kameras als auch Vollformatkameras in ihrem Sortiment. So kommen auch Naturfotografen mit einem kleinen Budget an ihre DSLR. Denn von der Bildqualität her sind nahezu alle Kameras bis ISO 800 uneingeschränkt zu empfehlen.

Fotoserie Bildwirkung

Die Wirkung eines Bildes auf den Betrachter hängt stark von der eingenommenen Perspektive des Fotografen und der Wahl des Objektivs ab. Die Perspektive ist das Mittel, um auf einer zweidimensionalen Ebene (dem Foto) den Eindruck eines dreidimensionalen Raumes zu erwecken. Und dies auf eine Weise, dass der Betrachter dies gar nicht bewusst wahrnimmt.

Durch die Wahl des Objektivs können Sie Nähe oder Distanz erzeugen, Sie können Kleines ganz groß erscheinen lassen oder Sie schaffen durch eine ungewöhnliche Aufnahmeposition (zum Beispiel aus der Luft) Bilder, die so noch niemand vorher gesehen hat. Mich persönlich reizen Brennweiten um die 24 mm. Beim Betrachter entsteht so der Eindruck, sich mitten im Bild zu befinden.

Grundsätzlich erzielen Sie mit einer kurzen Brennweite wie etwa 24 mm den Eindruck von Nähe, wohingegen mit einer langen Brennweite (etwa bei einem 500mm-Objektiv) eher der Eindruck von Distanz entsteht. Leider führt diese Tatsache dazu, dass einige Naturfotografen wildlebenden Tieren so dicht auf den Pelz oder das Federkleid rücken, dass sowohl das Tier als auch der Fotograf gefährdet werden. Es gibt tatsächlich "Naturfotografen", die einen schussbereiten Ranger hinter sich stehen haben, für den Fall, dass das Tier sich angegriffen fühlt und sein Territorium verteidigen möchte. Bitte verhalten Sie sich in der Natur so, wie es Tiere und Pflanzen verdient haben: mit Respekt und ein wenig Ehrfurcht. Ich habe schon etliche Aufnahmen nicht gemacht, weil ich mich selbst als Störfaktor dem Lebewesen gegenüber empfunden habe. In so einem Fall gehe ich auf Distanz zum Tier und beobachte einfach nur aus sicherer Entfernung weiter.