Willkommen in der Naturfotografie

Es gibt wohl kaum ein einladenderes Fotogenre als die Naturfotografie. Die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur um uns herum in Bildern einzufangen, macht einfach Spaß.

Die stille Reserve: der ISO-Wert

Die stille Reserve: der ISO-Wert

Die Bezeichnung ISO steht dafür, wie empfindlich der Sensor auf die Lichteinwirkung reagieren soll. Früher stand ISO für die Lichtempfindlichkeit des Films.

Das gerade für die Naturfotografie wohl wichtigste Merkmal eines Kamerasensors ist der unglaublich weit gefasste Bereich, in dem sich mittlerweile der ISO-Wert einstellen lässt. Zu Zeiten des Fotofilms war in der Naturfotografie praktisch bei ISO 200 Schluss. Schon bei diesem ISO-Wert war die Körnung so stark und waren die Farben der Filme so unrealistisch, dass Naturfotografen sie nicht einsetzen konnten.Traumhafte Zeiten dagegen heute: Zwischen ISO 100 und ISO 12600 ist die Bildqualität mittlerweile so gut, dass man beinahe schon in völliger Dunkelheit fotografieren kann. Und ISO 100 000 sind auch schon (bei den hochprofessionellen Kameras) überschritten.

Blende 2 2.8 4 5.6 8 11 16 22 32
Belichtungszeit
bei ISO 200
1/8000 s 1/4000 s 1/2000 s 1/1000 s 1/500 s 1/250 s 1/125 s 1/60 s 1/30 s
Belichtungszeit
bei ISO 800
1/32000 s 1/16000 s 1/8000 s 1/4000 s 1/2000 s 1/1000 s 1/500 s 1/250 s 1/125 s

Eine Erhöhung des ISO-Werts erlaubt Ihnen, kürzere Belichtungszeiten zu verwenden, ohne dass Sie dafür die Blende verändern müssen. Sie können also weiterhin die Schärfentiefe einsetzen, die Sie gestalterisch haben wollen, ohne Gefahr zu laufen, das Bild zu verwackeln. Mit ISO 400 zum Beispiel müssen Sie doppelt so lange belichten wie mit ISO 800. Dies ist so, weil bei ISO 400 die doppelte Lichtmenge auf dem Bildsensor ankommen muss wie bei ISO 800, um dieselbe Bildhelligkeit zu erzielen.

Im Abschnitt   Die Belichtungszeit richtig wählen wurde bereits erwähnt, dass eine Belichtungszeit von ca. 1/2000 s bei sich schnell bewegenden Motiven zu scharfen Fotos führt. Nun hatte ich beim Bild des Lummensprungs die größtmögliche Öffnung meines Objektivs gewählt (in dem Fall Blende 4) und kam bei ISO 12800 auf 1/800 s Belichtungszeit, also schon eine etwas längere Belichtungszeit als gewünscht. Da aber der kleine Vogel noch nicht fliegen konnte (und sich dementsprechend nur herabstürzte und nicht aktiv wegflog), reichte mir 1/800 s gerade aus, um die Bewegung des Tieres einzufrieren. Schon ISO 6400 oder gar 3200 mit einer Belichtungszeit von 1/200 s hätte den Vogel nur noch als schwarzweißen, unscharf verwischten Klumpen abgebildet.

Die Tabelle oben zeigt die Zeit-Blenden-Kombinationen, die bei unterschiedlichen ISO-Werten zu jeweils gleich hellen Bildern führen. Genau wie die Blende und die Belichtungszeit bestimmte Gesetzmäßigkeiten haben, gilt dies für die ISO-Werte. Sie sehen, dass Sie bei ISO 800 und Blende 8 eine kurze Belichtungszeit erzielen können, die ausreicht, einen Adler im Sturzflug zu fotografieren, was bei ISO 200 und Blende 8 nicht mehr möglich wäre. Genau wie bei den Zeit-Blenden-Kombinationen lassen sich für die ISO-Belichtungszeit-Kombination alle weiteren Kombinationen berechnen, wenn die Blende gleich bleibt (siehe Tabelle unten).

ISO-Wert 12800 6400 3200 1600 800 400 200 100
Belichtungszeit 1/800 1/400 1/200 1/100 1/50 1/25 1/12 1/6

Bildrauschen

In der Digitalfotografie kommt es im hohen ISO-Bereich (ab ca. ISO 400, je nach Kamera auch erst bei sehr viel höheren ISO-Werten) zum Phänomen des Rauschens. Das sind unregelmäßig auftauchende Fehler auf dem Bild in Form von farbigen oder weißen Punkten und Lichtflecken. Sie entstehen vor allem dann, wenn der Sensor sehr viele Pixel hat (hohe Megapixelzahl, MP) und diese so dicht beieinanderliegen, dass sie sich gegenseitig stören und Fehler im Bild verursachen. Dies ist auch ein Grund dafür, dass die Megapixelzahl nicht unbedingt etwas über die Qualität aussagt. Es kann sehr gut sein, das eine 6MP-Kamera ein besseres Bild erzeugt als eine 12MP-Kamera.