Perspektive

Perspektive

Unter Perspektive versteht man, aus welchem Blickwinkel ein Motiv aufgenommen wird. Die Perspektive ist also vom Standort des Fotografen abhängig, genauer, vom Standort der Kamera. Ändert man den Standort oder die Ausrichtung der Kamera (nach oben/unten/links/rechts neigen), ändert sich automatisch die Perspektive.

Die Perspektive ist nicht mit der Änderung der Brennweite (Zoom) zu verwechseln, welche keine Perspektivänderung bewirkt, sondern lediglich den Bildausschnitt erweitert oder reduziert.

Ungeübte Fotografen ändern in vielen Fällen die Brennweite, um ihr Motiv im Bild anzuordnen. Deutlich mehr Möglichkeiten bieten sich jedoch, indem man verschiedene Perspektiven ausprobiert. Erst danach kann man den Zoom verwenden, um eine Feinanpassung zu ermöglichen (zum Beispiel um das Motiv etwas näher heranzuholen etc.). Geübte Fotografen nehmen sich daher oft besonders viel Zeit, die für sie optimale Perspektive zu bestimmen. Natürlich heißt es hierbei: Ausprobieren. Das heißt, man sollte einmal in Ruhe um das Motiv gehen, es aus verschiedenen Entfernungen und, wenn möglich, verschiedenen Höhen betrachten und auf diese Weise gute Aufnahmepositionen finden.

Anordnung des Motivs

Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass es dennoch einen Zusammenhang zwischen Perspektive und Zoom gibt: Nähert man sich einem Motiv von seiner ursprünglichen Position, so ähnelt diese Perspektivänderung etwas dem Zoom, falls man sich auf der optischen Achse bewegt. Ein Baum auf einer Wiese kann beispielsweise aus 300 Meter Entfernung mit 350 mm Brennweite fotografiert werden oder aus 30 Meter Entfernung mit 35 mm Brennweite. In beiden Fällen erscheint das Motiv gleich groß - einmal im Weitwinkel und einmal im Super-Telewinkel. Die Bildwirkung ist aber deutlich verschieden. Im ersten Fall bewirkt man zumeist geringe Schärfentiefe und schrumpfende Distanzen (der Baum rückt näher an den Hintergrund, von dem viel weniger dargestellt wird als beim Bild mit dem Weitwinkel). Im zweiten Fall bewirkt man zumeist ein hohes Maß an Schärfentiefe und große Distanzwirkung (der Abstand zwischen Baum und Hintergrund wirkt größer und es wird viel vom Hintergrund dargestellt).

Möchte man ein Motiv groß darstellen und viel vom Hintergrund abbilden wollen, sollte man somit nah an das Motiv herangehen und ein Weitwinkelobjektiv verwenden. Möchte man es klein darstellen und mit viel Hintergrund, geht man weiter weg. Möchte man es groß und mit wenig erkennbarem Hintergrund darstellen, verwendet dann größere Brennweiten mit größerem Aufnahmeabstand. Wird das Motiv gleichgroß dargestellt, ergibt sich allerdings nur ein Unterschied im Bild, wenn sich etwas im Hintergrund befindet, was dann als Bezugspunkt fungiert.

Man kann ein Motiv auch isoliert darstellen. Hierzu entfernt man sich von dem Motiv, verwendet aber dennoch kleine Brennweiten. Das Motiv nimmt dann nur einen kleinen Teil des Bildes ein und wirkt klein und einsam - natürlich nur, solange Strukturen in der Umgebung das Motiv nicht dominieren. Das bietet sich vor allem im Freien an (Landschaftsfotografie), hat jedoch den Nachteil, dass Details am Motiv nicht mehr zu erkennen sind - die isolierte Darstellung des Motivs sollte daher eher in Ausnahmefällen durchgeführt werden.

Vertikale Perspektiven

Vertikal gesehen unterscheidet man drei (Haupt-) Perspektiven:

  • Zentralperspektive
  • Froschperspektive
  • Vogelperspektive

Die Zentralperspektive ist die "klassische" Perspektive, die in den meisten Fällen angewendet wird. Hierbei wird die Kamera in Augenhöhe des Fotografen, beziehungsweise vertikal mittig zum Motiv gehalten und einigermaßen gerade gehalten, das heißt nicht nach oben oder unten geneigt. Mit der Zentralperspektive kann man ein Abbild des Motivs erzeugen, das zweidimensional ist, aber immer noch dreidimensional wirkt. Im Raum verlaufende Parallelen treffen dabei scheinbar in einem Fluchtpunkt zusammen.

Bei der konsequent angewendeten Zentralperspektive ist der Horizont (sofern im Bild vorhanden) genau in der Mitte des Bildes, das heißt, es werden Land und Himmel zu gleichen Teilen abgebildet. Alle Objekte, die gerade emporragen (Bäume, Gebäude, Straßenlaternen etc.) verlaufen in dem Bild parallel zum Seitenrand - in den anderen Perspektiven ist dies nicht der Fall.

Bei der Froschperspektive (auch: Untersicht, englisch: "Low Angle") fotografiert man von unten nach oben,

oft auch aus sitzender oder liegender Haltung. Die Kamera wird also recht steil nach oben gehalten. Dies ist vor allem aus der Architekturfotografie bekannt, um sehr hohe Gebäude (Wolkenkratzer etc.) bei Platzmangel abbilden zu können. Die Froschperspektive liefert jedoch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten. Ein wesentliches Merkmal ist, dass man mit der Froschperspektive Größe darstellen kann. In dieser Perspektive aufgenommene Motive wirken unwahrscheinlich groß, der Betrachter hingegen hat den Eindruck, er sei unverhältnismäßig klein. So lässt sich die Froschperspektive auch in vielen anderen Gebieten, zum Beispiel bei Nahaufnahmen anwenden. Fotografiert man Blumen aus der Froschperspektive, wobei man sich hierbei meist direkt zu Boden legen sollte, können diese sehr groß wirken. Auch in alltäglichen Situationen, zum Beispiel im Wohnzimmer, kann man diese Perspektive einmal ausprobieren - die Welt erscheint dann etwa aus Kinderaugen. Eine besondere dramaturgische Wirkung der Froschperspektive ist daher in der Kunst auch Unterdrückung, Schwäche, Erniedrigung.

Die Vogelperspektive (auch: Vogelschau) ist der umgekehrte Fall. Hier wird die Kamera nach unten gerichtet, das Motiv wird normalerweise oberhalb der Augenhöhe aufgenommen. Für die Vogelperspektive benötigt man örtliche Gegebenheiten, die nicht immer vorhanden sind. Möglich sind beispielsweise ein Aussichtsturm, Hügel oder Berg, hohes Gebäude, erhöhter Punkt in einem Saal (zum Beispiel Podium) etc. Luftbilder, die von Flugzeugen oder Ballons aufgenommen werden, sind dabei wohl die bekanntesten Beispiele für Fotos aus der Vogelperspektive. Im Gegensatz zur Froschperspektive bewirkt die Vogelperspektive, dass die abgebildeten Objekte (Menschen, Häuser, Straßen, Bäume etc.) unverhältnismäßig klein wirken. Die Aussage ist somit oft Größe, Macht, Erhabenheit.

Weitere Perspektiven

Man unterscheidet unabhängig zu den bereits vorgestellten Perspektiven noch die Luftperspektive und Farbperspektive.

Die Luftperspektive entsteht auf große Entfernung hin, wobei das Bild zum Hintergrund allmählich weniger kontrastreich und heller wird. Auf diese Weise entsteht ein räumlicher Eindruck. Die Luftperspektive entsteht im Grunde automatisch, das heißt ohne Dazutun des Fotografen. Allerdings funktioniert sie nur auf weite Distanzen, wie beispielweise in der Landschaftsfotografie.

Bei der Farbperspektive sorgen die Farben für Tiefe und räumliche Wirkung. Dies gelingt vor allem, wenn im Vordergrund warme Farbtöne dominieren (zum Beispiel rot, gelb, orange, braun) und im Hintergrund kältere Töne (zum Beispiel Blau).