Motive

Motive

Wenn nicht anders erwähnt, soll im Nachfolgenden von genau einem Motiv ausgegangen werden.

Bildaufbau

Oft kann das Bild in Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund eingeteilt werden (manchmal auch nur in Vordergrund und Hintergrund). Das ist vor allem in der Landschaftsfotografie der Fall, jedoch auch in anderen Genres. Das Motiv kann sich dabei überall befinden, meist wird es wohl aber eher im vorderen Bereich des Bildes auftreten. Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund sollten sich dabei stets voneinander abheben. Dies ist bereits der erste Schritt zu einem geordneten Foto und einer sinnvoll gestalteten Komposition.

Die Aufteilung in Vorder-, Mittel- und Hintergrund erzeugt eine gewisse Tiefenwirkung und sorgt damit für Räumlichkeit. Bei mehreren Motiven kann man ein besonders interessantes und tiefenwirksames Fotos erzeugen, wenn sich die Motive in bestimmten Ebenen befinden.

Der Hintergrund

Der Hintergrund spielt mal eine größere, mal eine kleinere Rolle. Da man ein Motiv aber kaum ohne Hintergrund abbilden kann, wird man sich mit ihm bei jeder Aufnahmesituation auseinandersetzen müssen. Ist der Hintergrund unwichtig (zum Beispiel bei Porträts, Sachaufnahmen etc.), dann sollte er so unauffällig wie möglich sein (monotone Farben, ver- schwommen etc.), auf keinen Fall sollte sich jedoch etwas im Hintergrund befinden, was die Aufmerksamkeit in irgendeiner Form vom Motiv ablenken könnte. Manchmal ist der Hintergrund aber auch von größerer Bedeutung, zum Beispiel in der Landschaftsfotografie. Hier wird ihm dann oft deutlich mehr Platz eingeräumt, das Motiv ist mit unter nur ein kleiner Teil des Fotos, das erst zusammen mit dem Hintergrund zu einem beeindruckenden Foto wird.

Wenn kein geeigneter Hintergrund für ein Motiv vorhanden ist, so bieten sich verschiedene Alternativen.

Im Freien kann man den Himmel als Hintergrund verwenden, wobei man das Motiv dann von unten (aus der Froschperspektive) fotografiert werden muss. Ein blauer Himmel kann dabei einen guten Kontrast zum Motiv aufbauen. Es gibt im Fachhandel auch Hintergründe aus Kunststoff zu kaufen, man kann sie sich aber auch oft aus Karton und Papier selbst anfertigen oder Tischdecken, Bettlaken und andere nützlich scheinende Sachen verwenden.

Das Lichtzelt ist eine Variante, die in der professionellen Fotografie eingesetzt wird (meist in der Sach- und Makrofotografie), um verschiedene Objekte zu fotografieren. Hierzu wird das entsprechende Objekt in das Lichtzelt gelegt, das eine Öffnung hat, so dass man von außen in das Zelt hineinfotografieren kann. Das Lichtzelt sorgt für einen gleichmäßigen, weißen Hintergrund, den man sonst nur schwer finden würde. Beim Lichtzelt wird oft auch mit geeignet positionierten Lichtquellen wie Lampen und Blitzgeräten gearbeitet, die entweder durch das diffus streuende Lichtzelt das Motiv gleichmäßig erhellen oder gezielt bestimmte Bereiche des Motivs ausleuchten.

Wahl und Darstellung des Motivs

Gibt es nur ein Hauptmotiv, so empfiehlt es sich oft, dieses bildfüllend darzustellen. In solchen Fällen sind Hintergrund und "freie Luft" um das Motiv eher ungeeignet; sie sind typische Laienfehler. Da das Motiv meistens nicht rechteckig wie das Bild ist, bleibt natürlich am Rand immer etwas Hintergrund übrig. Bei diesem ist es dann vorteilhaft, wenn er einfarbig ist oder nur einen langsamen Farbverlauf aufweist, jedoch keine auffällige Strukturierung, die mit dem eigentlichen Motiv um die Aufmerksamkeit konkurrieren würde.

In der professionellen Fotografie spielen Details oft eine sehr große Rolle. Während bei Schnappschüssen meist sogenannte Übersichtsfotos (Totale) aufgenommen werden, die nur so von Details wimmeln (zum Beispiel ein Schloss in voller Ansicht mit all seinen Türmchen, Fenstern und Ornamenten), ist die Konzentration auf wesentliche Details oft geeigneter. In einer Bilderserie werden dann zusätzlich zu einer Totalen für den Gesamt- eindruck auf weiteren Aufnahmen die Details in eigenen Bildern gezeigt. So wird die Aufmerksamkeit des Betrachters mit jedem Bild gezielt auf ein Motiv konzentriert. Dies betrifft häufig die Architekturfotografie (hier wirken kleine Ausschnitte in vielen Fällen deutlich interessanter als das vollständige Gebäude) und die Porträtfotografie (nicht immer ist es sinnvoll, die Person von oben bis unten voll abzubilden).

Die Übersichtsfotos drohen demnach, den Betrachter zu verwirren. Sie bestehen aus so vielen Einzelheiten, dass ermöglicherweise nicht genau weiß, was eigentlich Motiv des Fotos ist. Die Übersichtsfotos dienen also vorrangig dazu, einen groben Gesamteindruck zu vermitteln, welcher dann durch Detailansichten in weiteren Fotos ergänzt wird. Konzentriert man sich dann auf wenig Details oder einen kleinen, signifikanten Ausschnitt, so kann die Wirkung enorm verbessert werden. Zudem ist die Komposition weniger Motive für den Anfänger meist leichter als bei einer Vielzahl von Motiven (die bei Totalen oft automatisch vorhanden sind).

Platzierung des Motivs im Bild

Wird das Motiv nicht formatfüllend aufgenommen, ergibt sich automatisch die Frage, wo im Bild man es am besten positioniert.

In der Grafik und Malerei wurde das Motiv oft in der Bildmitte platziert - das ergibt insofern einen Sinn, als die Mitte eines Bildes allgemein als der zentrale, der wichtigste Teil angesehen werden kann. Diese Positionierung betont - sofern vorhanden - formale Strenge und Symmetrie des Motivs. Die zentrale Positionierung kann also eine starke Aussage über das Bildmotiv implizieren. Es gibt zwar Situationen wo dies möglich oder gar empfehlenswert ist, oft wirkt ein Foto mit mittig platziertem Motiv jedoch langweilig oder zu formstreng.

Nicht nur in der Fotografie werden Motive daher gern im Goldenen Schnitt platziert, ein Teilungsverhältnis das bereits im Alten Griechenland verwendet wurde (hier insbesondere in der Architektur). Beim Goldenen Schnitt wird eine Strecke s in zwei Teile a, b geteilt, so dass die Gleichung (a:b) - (a+b) : a gilt. Die beiden Abschnitte a, b stehen also im selben Verhältnis wie die beiden Strecken zusammen (die Gesamtstrecke s) zur Seite a. Der Goldene Schnitt ist in mancher Hinsicht interessant, etwa aufgrund besonderer mathematischer Eigenschaften, oder weil einige Pflanzen oder Tiere ebenfalls ein solches Teilungsverhältnis aufweisen, um Strukturen zu bilden.

Beim Goldenen Schnitt haben die beiden Abschnitte ein Längenverhältnis von etwa 62:38 (oder grob 6:4 beziehungsweise 3:2). Ein Bild, das eine Breite von 1000 Pixeln hat, hätte den Goldenen Schnitt also bei 620 Pixeln oder 380 Pixeln (je nach dem ob er nach links oder nach rechts ausgerichtet ist).

Bilder, deren Motive im Goldenen Schnitt angeordnet sind, wirken besonders harmonisch.

Meist meint man mit dem Goldenen Schnitt die horizontale Teilung des Bildes; natürlich kann man das Bild aber auch vertikal nach den Regeln des Goldenen Schnitts teilen. Ein Motiv kann sich also sowohl horizontal als auch vertikal im Goldenen Schnitt befinden.

Da das Verhältnis 62:38 nicht so einfach abzuschätzen ist, wendet man oft auch die Drittelregel an, welche als Vereinfachung des Goldenen Schnitts gesehen werden kann. Hier wird das Bild einfach gleichmäßig in drei Teile geteilt und das Motiv dann auf einer der Teilungslinien platziert. Das Verhältnis ist dabei rund 67:33 und somit ähnlich dem Goldenen Schnitt. Einige Kameras bieten die Möglichkeit, ein Gitternetz (Hilfslinien) einzublenden, welches die Drittellinien anzeigt. Das kann bei der Komposition eine gute Stütze sein. Um den Goldenen Schnitt zu erreichen, kann man dabei auch gezielt etwas neben diesen Hilfslinien anordnen.

Manchmal ist es sogar angebracht, ein Motiv noch weiter in Richtung Bildrand zu platzieren; es sollte sich dann aber ein weiteres Motiv finden, welches die andere Seite des Bildes ausmacht und somit als eine Art Gegengewicht fungiert.

Hinweis: Durch Beschneiden des Fotos kann ein mittig angeordnetes Motiv nachträglich in den Goldenen Schnitt rücken. Mit dem Beschneiden ändert sich aber natürlich auch das aufgenommene Bild sowie verschiedenen Eigenschaften wie Bildformat und Pixelzahl.

Der Bildrand

Egal ob das Motiv mittig, im Goldenen Schnitt oder nahe dem Bildrand angeordnet wird - es sollte stets ein wenig Platz zum Seitenrand gelassen werden. Kein Foto wirkt schlimmer, als bei einem Motiv, das gerade noch so drauf passt. Vor allem, wenn das Motiv im Verhältnis zum Gesamtbild recht klein ist (und damit eine große, freie Fläche im Rest des Bildes entsteht), wirken solche Fotos meist äußerst unästhetisch.

Alternativ kann man manchmal auch das Motiv gezielt anschneiden, also einen weniger wichtigen Randbereich einfach weglassen. Auch da sollte der weggelassene Teil nicht zu klein bemessen sein, um nicht irritierend zu wirken. Bei Portraits könnte man etwa in Blickrichtung etwas Raum freilassen, aber den Hinterkopf anschneiden. Jedenfalls ist das bildwirksam gute Anschneiden des Motivs tendenziell etwas schwieriger, als pauschal etwas Platz zu lassen, dann eben bei Lebewesen in Blickrichtung eher etwas mehr Platz als in andere Richtungen.

Anders sieht es mit Nebenmotiven und Beiwerk aus. Hier passiert es oft, dass diese sich am Rand befinden und schlicht weg über den Rand hinausgehen. Das ist völlig normal und lässt sich für gewöhnlich nicht weiter ändern (es sei denn man geht weiter zurück, aber dann werden andere Dinge wieder ins Bild ragen und so weiter); es gibt jedoch eine Regel, die man beachten sollte: Entweder ein bestimmtes Objekt wird klar und deutlich angerissen (befindet sich also noch ein gutes bisschen mit auf dem Foto), oder es wird überhaupt nicht angerissen (ist also auf dem Foto nicht zu sehen). Ein am Bildrand parkendes Auto sollte also entweder zu einem guten Teil im Bild sichtbar sein oder gar nicht - eine Ecke, die noch ins Bild ragt, wirkt unschön. Wenn auch ein im größeren Maße angerissenes Objekt das Foto trübt, kann es sinnvoll sein, die Perspektive leicht zu ändern und dieses somit auszublenden.

Dreieckskomposition

Eine interessante Anordnung von Motiven stellt die Dreieckskomposition dar. Hier besteht das Bild aus drei Motiven, die in Dreiecksform dargestellt werden. Anders als beim Goldenen Schnitt, bietet es sich dabei oftmals an, die Motive mittig im Bild zu platzieren und dieses möglichst voll auszufüllen.

Ein Dreieck wirkt ausgeglichen, stabil und harmonisch. Die Dreieckskomposition wurde vor allem in der Malerei der Renaissance angewendet, aber auch in der Fotografie ist sie ein interessantes Stilmittel.