Lichtverhältnisse

Lichtverhältnisse

Es scheint oft ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, bei Sonnenlicht mit der Sonne im Rücken zu fotografieren (Vorderlicht). Die korrekte Belichtung ist hierbei im Grunde am einfachsten, die Farben wirken kräftig und neutral. Ein Problem ist jedoch, dass dem Bild eines fehlt: Schatten. Die Schatten fallen in dieselbe Richtung, in die fotografiert wird und alles liegt im grellen Sonnenlicht. Dadurch kann das Foto unnatürlich wirken, da Schatten ein wesentlicher Teil unserer Welt sind und auch für einen gewissen dreidimensionalen Eindruck sorgen. Wenn alles gleichmäßig im Sonnenlicht liegt, wirkt das Foto zudem weniger kontrastreich, da dann vermutlich nur helle, kräftige Farben dominieren. Besonders bei Aufnahmen mit tiefstehender Lichtquelle (Sonnenaufgang und Sonnenuntergang etwa) und auch bei Aufnahmen mit Superweitwinkelobjektive oder Fischaugenobjektiven ergibt sich ein weiteres Problem dadurch, dass der Schatten des Fotografen selbst recht schnell im Bild erscheint, was zumeist unerwünscht sein wird. Auch wenn andere Objekte hinter dem Fotografen einen Schatten ins Bild werden, aber selbst nicht sichtbar sind, wird dies meist unerwünscht sein.

Neben dem Vorderlicht gibt es auch Seitenlicht, Steiflicht und Gegenlicht, die oft deutlich interessantere Aufnahmen bringen. Im Seitenlicht (Licht aus circa 20 ... 80°) fallen die Schatten zur Seite und werden deutlich im Bild sichtbar; da sie schräg hinter das Motiv fallen, erzeugen die Schatten auf diese Weise Räumlichkeit. Es entsteht ein Spiel aus Licht und Schatten, das Bild wird plötzlich kontrastreich und spannend. Gleichzeitig ist die Belichtung bei Seitenlicht noch einigermaßen einfach. Das Seitenlicht wird daher auch als universelle Lichtrichtung gesehen.

Im Streiflicht fällt das Licht direkt von der Seite (Licht aus circa 80 .. 100°) auf das Motiv.

Streiflicht eignet sich vor allem, um Konturen in einer Fläche darzustellen. Porträts, die im Seitenlicht fotografiert werden, wirken somit besonders plastisch.

Im Gegenlicht (Licht aus mehr als 100°, das heißt von vorn, vorn-links oder vorn-rechts) entstehen die größten Kontraste, gleichzeitig verblassen die Farben und der Farbumfang vermindert sich. Hier versagt die vollautomatische Belichtung oft und ein manuelles Einstellen wird notwendig - das ist nicht immer leicht und auch nicht immer sinnvoll. Das Gegenlicht kann aber mit die interessantesten Bilder ergeben, die durch das Spielen mit dem Licht oft schon von ganz allein einen recht eigenen, künstlerischen Charakter erlangen. Helle, diffus streuende Objekte wie Häuserwände oder extra aufgestellte Reflektoren können helfen, die Schatten aufzuhellen und damit trotz Gegenlichtstimmung Details im Dunklen noch deutlich sichtbar zu machen, indem der Kontrast auf ein Maß reduziert wird, welches mit den Möglichkeiten der Kamera noch verträglich ist. Eine Belichtungsreihe kann zudem bei der Nachbearbeitung verrechnet werden, um sowohl helle Bildpartien als auch dunkle mit ausreichend Struktur zu versehen.

Bei Aufnahmen mit Superweitwinkelobjektiven oder Fischaugenobjektiven ist die Lichtquelle wie die Sonne folglich oft mit im Bild, was interessant sein kann, aber auch die Belichtungsautomatik verwirren kann, besonders wenn die Belichtungsmessung einfach oder mittenbetont über das gesamte Bild gemittelt wird.

Lichthöhe

Gegenlicht kann in der Abenddämmerung zu beeindruckenden Fotos verhelfen.

Nicht nur die Lichtrichtung, auch die Lichthöhe ist für ein Foto entscheidend. Tagsüber hat man im Freien oft Oberlicht, das Licht kommt also mehr oder weniger von oben. Bei Sonnenaufgang kommt es aus Kamerahöhe (), im Tagesverlauf steigt es dann auf rund 16° zur Wintersonnenwende bis 62° zur Sommersonnenwende (bezogen auf Mitteldeutschland). Je höher die Sonne steigt, umso kürzer werden die Schatten. So gibt es einige enge Gassen, in die das Licht nur in den Sommermonaten einfällt (und auch dann nur zur Mittagszeit).

Licht, das von oben kommt, erzeugt bei Porträts Schatten unter Nase und Kinn und ist daher nicht besonders geeignet. Hier wird gern Unterlicht verwendet (Licht kommt von einer Position unterhalb der Kamera), was jedoch nur mit entsprechenden Lampen oder Blitzgeräten realisiert werden kann. Diese können natürlich auch so eingesetzt werden, dass sie nur die unerwünschten Schatten aufhellen. Unterlicht wirkt meist unnatürlich, kann das Motiv aber in besonderer Weise betonen (zum Beispiel sieht man in Ausstellungen und Museen oft, dass Objekte von unten angestrahlt werden).

Das Licht im Verlauf des Tages

Wie im Abschnitt über den Weißabgleich bereits beschrieben, herrschen zu unterschiedlichen Tageszeiten unterschiedliche Lichtverhältnisse und unterschiedliche Farbtemperaturen. Auge und Gehirn nehmen diese kaum wahr und passen den Farbeindruck an, die Kamera muss hingegen an die Lichtverhältnisse angepasst werden.

Allgemein gilt:

  • In der Morgendämmerung und Abenddämmerung überwiegen rote und gelbe Töne (warme Farben), da das Sonnenlicht einen weiteren Weg durch die Atmosphäre zurücklegt. Besonders das blaue Licht wird auf dem weiten Weg durch die Atmosphäre zum großen Anteil herausgetreut. Das Bild wirkt ruhig und harmonisch.
  • In der Mittagszeit wirkt das Bild grell und blaue Töne stellen sich ein.

Das direkte Sonnenlicht, das an wolkenlosen Tagen vorherrscht, wird auch als hartes Licht bezeichnet. Es sorgt für ausgeprägte Schatten und hohe Kontraste. Je stärker der Bewölkungsgrad ist, umso "weicher" wird das Licht. Die Wolken streuen das Licht also und dienen als ausgedehnte Lichtquelle. Man bezeichnet es auch als diffuses Licht (beziehungsweise weiches Licht). Weiches Licht erzeugt sanftere Fotos, da Schatten weniger auffallen (sie wirken heller und die Ränder sind unschärfer) oder gar ganz verschwinden. Der Kontrast geht etwas zurück. Bei Porträtaufnahmen, Sachaufnahmen und Stillleben ist beispielswise weiches Licht meist bevorzugt. Die Aufnahme wirkt sanfter als bei direkter Belichtung mit starken Schatten. Weiches Licht wird also ereicht, wenn die Winkelausdehnung der Lichtquelle viel größer als der Aufnahmewinkel ist, Licht also aus vielen Richtungen auf das Motiv fällt.

Auch an hellen Sommertagen kann man mit diffusen Licht arbeiten.

Hierzu braucht man lediglich einen schattigen Ort aufsuchen - das Licht ist dort ähnlich weich wie an einem bewölkten Tag, das Licht im Schatten zerstreut ist und damit seinen weichen Charakter erhält. Das Mittagslicht wird von vielen Fotografen gemieden. So bieten sich Landschaftsfotos oft in der Morgen- oder Abenddämmerung an. Das harte Licht der Mittagssonne mit seinen starken Schatten ist hier oft störend. Da in den Schatten Details verlorengehen, sind auch Porträtaufnahmen in der Mittagssonne ungünstig - hier sollten schattige Plätze aufgesucht werden.

Es gibt aber auch einige Situationen, wo Mittagslicht günstig ist. Das betrifft zum Beispiel Straßenaufnahmen, wo das Sonnenlicht möglicherweise nur zur Mittagszeit in die enge Straße einfällt. Wann immer Konturen herausgearbeitet werden sollen, zum Beispiel um Muster in der Landschaft oder Reliefs oder Gravuren in einer Fassade hervorzuheben, ist das (harte) Mittagslicht ebenfalls geeignet (sofern es aus der richtigen Richtung auf das Motiv trifft).

Arbeiten mit Schatten und Spiegelung

Die Schatten, die Gegenstände und Personen bei Sonnenlicht werfen, besitzen einen besonderen Reiz in der Fotografie. Sie können Räumlichkeit und Tiefe ausdrücken, sie können manchmal sogar interessanter als das eigentliche Hauptmotiv sein, da Schatten eine starke Abstraktion des Motivs darstellen - Konturen und farbliche Abstufungen gehen fast vollständig verloren, das Motiv erhält in seinem Schatten einen ganz anderen, stark abstrahierten Charakter.

Ist die Lichtquelle klein oder weit entfernt, der Beleuchtungswinkel also klein, so wirken die Schatten dunkel und haben scharfe Ränder (zum Beispiel in der Mittagssonne). Ist die Lichtquelle nah und ausgedehnt (zum Beispiel Aufnahme nahe einer Lampe und einem großen Reflektor), so wirken die Schatten heller und die Ränder sind verschwommener. Bei Innenaufnahmen und Porträtaufnahmen kann man hier einmal bewusst mit einigen Fotolampen experimentieren (wenn man keine zur Hand hat, funktionieren natürlich auch alle anderen Lichtquellen).

Schatten sollten sich, genauso wie Motive im Foto, nicht zu sehr überkreuzen, da dies das Foto ungeordnet und chaotisch erscheinen lassen kann. Allerdings kann man mit sich überkreuzenden Schatten auch interessante Muster in ein Foto bringen - hat man es also mit sich überkreuzenden Schatten zu tun, muss man individuell entscheiden, ob die Schatten das Bild eher aufwerten oder abwerten.

Spiegelungen können einen ebenso interessanten Effekt bewirken und vor allem an Seen und Teichen beobachtet werden, jedoch auch in Glasscheiben oder auf nassem Asphalt, beispielsweise nach starkem Regenfall. Eine symmetrische Anordnung wirkt dabei oft harmonisch, in verschiedenen Fällen lässt sich mittels Spiegelungen auch ein sehr abstraktes Bild erzeugen.