Landschaften eindrucksvoll wiedergeben

Landschaften eindrucksvoll wiedergeben

Stellen Sie einfach das Einstellrad auf Landschaft, und schon werden Ihre Fotos ganz fantastisch. So ungefähr interpretieren manche Kamerabesitzer den Text der Bedienungsanleitung. Humbug! Die Kamera kann nicht mehr, als die Blende schließen und die Farben künstlich aufdrehen. Um den ganzen Rest, also die Gestaltung des Bildes, müssen Sie sich - leider oder Gott sei Dank - immer noch selbst kümmern.

Licht, Licht, Licht!

Und zwar am besten Morgen- oder Abendlicht. Diesen Tipp für die Landschaftsfotografie haben Sie wahrscheinlich schon oft gelesen. Vielleicht haben Sie sich auch schon darüber geärgert, dass Profis und Autoren immer wieder mit dieser Grundregel daherkommen. Der Ärger ist verständlich, denn wer diese Regel konsequent befolgen will, auf den warten unangenehme Konsequenzen: früh aufstehen und völlig anders reisen, als man es bisher gewohnt war. Für überdurchschnittliche Aufnahmen sind überdurchschnittliche Maßnahmen erforderlich. Dem "urlaubenden" Reisefotografen sei als Trost gesagt: Auch tagsüber kann man glückhafte Momente erwischen. Sie sind einfach nur seltener.

Sie haben zwei Möglichkeiten, mit den "suboptimalen" Lichtbedingungen umzugehen:

  • 1. Sie beschließen, sich über langweilige Fotos nicht mehr zu ärgern und Ihre Werke als Erinnerungsfotos zu verstehen.
  • 2. Sie fotografieren die Landschaft nicht in klassischer Manier, sondern verlegen sich auf Bildausschnitte und Motive, die in der vorhandenen Lichtsituation fotografisch etwas hergeben.

Allgemeine Regeln für die Landschaftsfotografie

Beim Begriff "Landschaftsfotografie" fallen uns sofort Kalenderbilder aus den wunderschönsten Regionen der Welt ein. Aber auch die sehen bei trübem Licht wenig spektakulär aus. Die Landschaft vor Ihrer Haustür ist vielleicht nicht so weltberühmt wie der Grand Canyon, aber sie hat einen genialen Vorteil: Sie können jederzeit ein Foto davon machen - am besten dann, wenn das Licht spektakulär ist.

Regel 1 Lichtstimmungen nutzen

Verzichten Sie auf das Abendessen, eine Besichtigung oder Ähnliches, oder verschieben Sie es, wenn sich eine fantastische Lichtsituation abzeichnet. Halten Sie die Kamera immer griffbereit, vor allem bei einsetzendem Gewitterregen. Der Regenbogen entsteht immer da, wohin die Sonne gerade noch hinscheint, also auf der gegenüberliegenden Seite. Sobald die ersten Regentropfen prasseln, gehen Sie vor die Tür. Riskieren Sie es, nass zu werden.

Regel 2 Blende schließen

Damit die Landschaft von vorn bis hinten scharf wird, arbeiten Sie mit der Blendenvorwahl, und stellen Sie eine Zahl von f8 bis f16 ein. Behalten Sie immer auch die Verschlusszeit im Auge, denn Blende schließen heißt leider auch, dass die Verwacklungsgefahr steigt.

Regel 3 Qualität vor Schnelligkeit

Benutzen Sie einen niedrigen ISO-Wert für maximale Bildqualität, und arbeiten Sie mit dem Stativ für optimale Schärfe.

Regel 4 Das Weitwinkelobjektiv macht Landschaften klein

Möglichst viel drauf bekommen wollen führt dazu, dass viele Fotografen das Weitwinkelobjektiv benutzen. Es bildet die einzelnen Details im Foto - vor allem weit entfernte - aber viel zu klein ab, darum sieht die riesige Landschaft oft langweilig aus. Mit einem Normal- oder einem leichten Teleobjektiv bekommen Sie zwar nicht alles auf ein Bild, aber Sie können interessante Landschaftsaspekte betonen - einen einzelnen Baum, ein Haus, einen Felsen; der Betrachter bekommt auf diese Weise einen Größenbezug und kann sich im Foto auch besser orientieren.

Regel 5 Vordergrund gestalten

Ein Blickfang im Vordergrund dient als Einstieg in das Motiv. Je mehr Sie mit dem Weitwinkel arbeiten, desto wichtiger ist ein gut gestalteter Vordergrund. Nehmen Sie Blumen, Steine oder anderes mit ins Bild. Fotografieren Sie aus einer tiefen Aufnahmeperspektive, oder kippen Sie die Kamera, um einen anderen Bildausschnitt zu erhalten. Der Blick aus Augenhöhe ist meistens am langweiligsten.

Regel 6 Horizontlage beachten

Achten Sie auf einen geraden Horizont, und variieren Sie den Bildaufbau. Sie können den Horizont ins untere oder obere Drittel des Bildes legen, je nachdem, was interessanter aussieht. Je weiter die Horizontlinie an den Bildrand rückt, desto dramatischer die Bildwirkung. Vermeiden Sie eine mittige Aufteilung, es sei denn, Sie haben gute Gründe dafür.

Regel 7 Räumliche Tiefe

Einem Foto fehlt per se die dritte Dimension. Den Eindruck von räumlicher Tiefe können Sie erzeugen, indem Sie die Linienführung im Bild geschickt manipulieren. Das Auge folgt gerne Linienpaaren, die zum Horizont hin zusammenlaufen; auch Diagonalen oder geschwungene Linien eignen sich gut zur Aufteilung des Bildraumes. Durch die Größenverhältnisse von Objekten wird Nähe und Distanz suggeriert. Kühle und dunkle Farben (Blau, Grün) unterstützen die Tiefenwirkung, warme und helle Farben treten in den Vordergrund. Sich überlappende Objekte helfen ebenfalls bei der Orientierung und Einschätzung der Größenverhältnisse.

Regel 8 Landschaft ist überall

Entdecken Sie Landschaftsmotive in Ihrer gewohnten Umgebung. Sie müssen nicht nach Neuseeland oder Südafrika fahren, manchmal genügt ein Wochenendausflug. Die Autobahnausfahrt am Stadtrand fördert manchmal Erstaunliches zutage.