Grundlagen der Bildgestaltung

Die Bildgestaltung ist eines der wesentlichsten Gebiete des Fotografierens. Sie ist eigentlich der erste Schritt bei jeder Aufnahme eines Fotos und liegt damit zeitlich vor der tatsächlichen, von der Kamera durchgeführten Aufzeichnung des Fotos.

Bewegung

Bewegung

Fotografie ist das Festhalten eines kurzen Augenblicks. Das Motiv kann sich bei der Aufnahme in Bewegung befinden oder nicht. Ist es in Bewegung, zum Beispiel ein fahrender Zug, ein Sprinter, ein fliegender Ball, so kann man diese Bewegung in einem Foto ausdrücken oder nicht, je nach dem welche Art von Foto man aufnehmen möchte.

Wenn es nicht darauf ankommt, Bewegung auszudrücken, sondern ein bewegtes Objekt scharf abzubilden, sind sehr kurze Verschlusszeiten beziehungsweise Belichtungszeiten notwendig. Je näher man sich dabei an dem bewegten Objekt befindet und je schneller sich dieses bewegt, umso kürzer muss die Belichtungszeit sein. Letztlich zählt dabei also, über wieviele Pixel sich das Abbild des bewegten Motivs während der Belichtungszeit bewegt. Liegt diese Distanz deutlich unter einem Pixel, ist das Motiv eingefroren, es ist also auf dem Bild kein Artefakt der Bewegung erkennbar.

Bewegt sich das Motiv quer zur Kamera, also innerhalb der Schärfeebene, so ist der Einfluß der Bewegung auf die Schärfe am größten. Eine Bewegung senkrecht dazu ergibt zum einen einen Größenänderung, zum anderen aber auch eine Verlagerung gegenüber der Schärfeebene. Letztere Effekte sind vor allem bei Makroaufnahmen und bei Aufnahmen mit selektiver Schärfe relevant, während diese Effekte bei weiter entfernten Motiven meist nicht auffällig sind.

Bei der schnellen Querbewegungen gibt es bei Kameras mit Schlitzverschluß noch spezielle Effekte bei kurzen Verschlußzeiten.

Bewegt sich das Motiv in die gleiche Richtung wie der Schlitzverschluß, erscheint das Objekt verlängert. Bewegt sich das Motiv in die entgegengesetzte Richtung wie der Schlitzverschluß, erscheint das Objekt verkürzt. In anderen Richtungen ergibt sich eine Scherung.

Das Foto wirkt mit ausreichend kurzen Belichtungszeiten scharf, Bewegung lässt sich nur aufgrund des Motivs vermuten, etwa bei einem Rennwagen auf der Rennstrecke. Diese Variante eignet sich, wenn es mehr auf Schärfe als auf Bewegung ankommt, und vor allem, wenn aus dem Bild selbst ersichtlich wird, dass das Motiv in Bewegung ist. Ein fliegender Ball, ein springendes Kind, ein Sprinter etc. wird vom Betrachter automatisch als bewegtes Motiv erkannt. Anders ist es bei Objekten, die auch in Ruhe sein könnten (zum Beipsiel ein auf einer Landstraße fahrendes Auto könnte auch halten). Hier ist es sinnvoll, Bewegung auszudrücken.

Bewegung wird entsprechend mit längeren Belichtungszeiten ausgedrückt (das erfordert meist eine größere Blendenzahl oder geringe ISO-Einstellung). Ein Graufilter ermöglicht auch deutlich längere Belichtungszeiten, wenn bereits die größte Blendenzahl und kleinste Empfindlichkeit eingestellt sind.

Das Mitziehen der Kamera ist eine andere Variante, Bewegung auszudrücken. Hierbei verfolgt man mit der Kamera das sich bewegende Motiv, so dass dieses scharf wird. Ein fahrendes Motorrad könnte beispielsweise aus einem parallel daneben fahrenden Auto fotografiert werden. Das Motorrad ist dann scharf (obwohl es fährt), der Hintergrund verschwimmt hingegen. Auf diese Weise erhält man ein scharfes Motiv und dennoch ein Foto, das Bewegung ausdrückt. Bei den Rädern ergibt sich hingegen immer ein Bewegungseffekt, denn beim Abrollen hat offenbar nur die Achse die gleiche Geschwindigkeit wie das Motorrad. Jener Teil, der sich gerade am Boden befindet, bewegt sich relativ zur Straße offenbar gar nicht, der obere Teil des Reifens wiederum bewegt sich doppelt so schnell wie die Achse.

Zum Einfrieren von schnellen Bewegungen reichen indessen die Verschlusszeiten oft nicht aus. Etwas mehr Möglichkeiten bieten hier leistungsstarke Blitzgeräte. Bei gängigen Modellen können damit Belichtungszeiten im Bereich von 20 bis 100 Mikrosekunden erreicht werden.

Wer es noch kürzer braucht, ist allerdings zunehmend auf eine teuere Spezialausrüstung angewiesen. Mit gepulsten Lasern kann man je nach Typ auch kurze Zeiten wie Nanosekunden, Pikosekunden oder sogar Femtosekunden erreichen.